Rolle Rückwärts // Maximale Entschleunigung

WhatsApp – runtergeschmissen. Twitter – dicht gemacht. Facebook – ausgetreten. In den vergangenen Monaten habe ich immer mehr sozialen Kram aus meinem Leben verbannt. Schuld daran ist mein persönlicher Wunsch nach Entschleunigung. Jetzt wurde die nächste Stufe gezündet.

Wir leben in einer sehr schnellen Zeit. Viel zu schnell, wie manche Zeitgenossen meinen. So auch ich. Aber anstatt ihr Leben in irgendeiner Weise zu ändern, verharren die meisten in einer Art Schockstarre und ändern: nichts. Im Gegenteil: Wir erfinden ständig Dinge, die uns das Leben erleichtern, um in der gewonnen Zeit nicht zu entspannen, sondern noch mehr arbeiten, zu tun oder produktiv zu sein. Damit mir das nicht passiert habe ich 2014 angefangen mich selbst zu entschleunigen.

Begonnen hat alles mit Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhenWhatsApp. Irgendwann, es muss abends nach der Arbeit gewesen sein, lag ich gemütlich auf dem Sofa, als mein Lumia sich meldet: Pling, pling, plingplingpling… Einer meiner Bekannten, dessen Freundin zu der Zeit in freudiger Erwartung war, ist auf die grandiose Idee gekommen, mich in eine „Ich bekomme ein Baby, lass uns drüber reden“-Gruppe zu packen. Das Ergebnis: Dauerhaftes, nervtötendes Piepsen, weil alle möglichen Leute (die ich nichtmal kenne) irgendeinen Quatsch schreiben mussten. Ja, ich weiß – ich hätte alles einfach stumm schalten können oder aus der Gruppe austreten. Aber es war ja nicht nur diese Gruppe, die genervt hat. Der Mensch an sich scheint dazu zu neigen, Nachrichten aufzuteilen und inflationär irgendeine Scheiße zu schicken, sobald man nichts dafür zahlen muss. Ist ja umsonst und so. Nervt aber.

Als zweites habe ich meinen Twitter-Account geschlossen. Das hat allerdings eher zur Selbstdisziplinierung gedient. Denn auch wenn Twitter sehr praktisch und informativ sein kann, wird auch hier zuviel Schrott in den Äther geblasen. Und wenn man irgendwann merkt, dass man sich nur noch über solche Dinge aufregt, aber trotzdem immer wieder schaut, ob was passiert ist, sollte man die Reißleine ziehen. Hab ich gemacht – gings mir besser.

Auch Facebook ist so ein Fall: Eigentlich ein praktisches Hilfmittel um mit ehemaligen oder aktuellen Bekannten verbunden zu bleiben, hat sich der Inhaltsgehalt irgendwann ins Negative verkehrt. Auf einmal musste jeder wissen, was der ehemalige Kommilitone grade tolles auf der Arbeit erlebt hat, wo man gerade sein Häufchen macht, oder welchem fragwürdigen Y-Promi man auf der Straße im hippen Scheiß-Berlin begegnet ist. Meine persönlichen Lieblinge waren dann noch diese witzigen Rundmails, in denen von traurigen Schicksalen erzählt wurde, und die man ja weiterleiten muss um zu zeigen, dass es einem nicht egal ist.😀 Das kann von mir aus gut finden wer will, ich nicht. Ende letzten Jahres habe ich dann auch hier die Schotten dicht gemacht und war glücklich damit.

Schlussendlich kommen wir jetzt zur gerade gezündeten Stufe der Entschleunigung: Mein Handy. Nachdem ich mich bis tief in meine 20er Jahre geweigert hatte, mir so n neumodisches Teil anzuschaffen (ich hatte immerhin Festnetz) musste spätestens bei der Bundeswehr eins her. Im Lauf der Jahre kamen dann irgendwann auch Smartphones dazu, mit denen man prima ins Internet gehen, Facebook nutzen, bei Twitter twittern kann und vieles mehr. Man kann sogar, so sagte man mir einmal, seine Arbeits E-Mails damit abrufen. Was habe ich gelacht, wenn das jemand wirklich gemacht hat. Nur habe ich mich vor einigen Wochen dabei ertappt, wie ich das wirklich selber gemacht habe. Nur um mich zu vergewissern, ob ein Kunde nicht doch noch ne Mail geschickt hat. Erschrocken, ob meines Verhaltens, habe ich dann kurzerhand einen Entschluss gefasst: Weil ich ja schon kein WhatsApp mehr habe, und bei Twitter nicht mehr Ein Motorola Razr V3 - Tolles Telefonmitmache und Facebook eh scheiße ist, brauche ich auch kein Smartphone mehr. Und weil man im Internet ja fast alles bekommt, habe ich mir kurzerhand das schönste Handy aller Zeiten gekauft. Gebraucht und voll funktionsfähig. Ein Motorolla Razr V3. Geiles Teil. Und für Musik nutze ich eh seit ewigen Zeiten einen MP3-Player.

Jetzt lebe ich wirklich ein ganzes Stück weit glücklicher und entspannter, bekomme SMS nur dann, wenn was wirklich wissenswert ist und fühle mich nicht dazu genötigt irgendeine Scheiße zu liken, die mich gar nicht interessiert. Und Pling macht mein Handy auch nicht mehr dauerhaft.

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